DER Hof von Mario Reck

Die Kühe wissen längst, wie der Hase läuft – oder besser gesagt: wie der Roboter läuft. Seit 2018 übernimmt auf dem Hof von Mario Reck ein Melkroboter die Arbeit, seit 2020 hilft auch ein Fütterungsroboter. „Ich habe beides nie bereut“, sagt der 43-Jährige. Rund 75 Kühe samt Nachzucht stehen im Stall. Für Reck ist klar: Moderne Technik gehört zur Landwirtschaft der Zukunft.

Sein Hof in Ratzenried liegt idyllisch am Hang, mit Blick auf die Alpen. Doch Platz ist knapp, und die Arbeit ist reichlich vorhanden. Rund 85 Hektar Grünland und knapp zwei Hektar Mais bewirtschaftet Reck. Ein Teil des Futters wandert in die Biogasanlage, die er gemeinsam mit vier Partnern betreibt. Sie steht am Ortsrand und versorgt unter anderem eine Gärtnerei, einen Kindergarten, eine Schule, eine Turnhalle und ein Neubaugebiet mit Wärme.

Die Anlage war vor rund 15 Jahren eine Antwort auf eine schwierige Zeit. „Damals war die Perspektive im Milchbereich sehr schwierig“, erinnert sich Reck. Überschüssiges Futter und Gülle konnten über die Biogasanlage sinnvoll genutzt werden.

Auch bei der Photovoltaik stößt der Landwirt an Grenzen. Auf seiner neuen Halle wollte er ursprünglich eine größere Anlage installieren. Doch das Stromnetz vor Ort ist nach Angaben des Netzbetreibers nicht ausreichend aufnahmefähig. Statt 100 KW sollen deshalb zunächst nur 30 Kilowatt installiert werden – vor allem für den Eigenverbrauch und zusammen mit einem Batteriespeicher. Mit Energie kennt sich Reck inzwischen bestens aus. Sein Wohnhaus wird seit rund anderthalb Jahren mit einer Luft-Wärmepumpe beheizt. Das Fazit fällt eindeutig aus: „Ich würde nichts anderes mehr machen.“ Früher wurde mit Holz geheizt – deutlich arbeitsintensiver. Künftig soll möglichst viel eigener Solarstrom direkt für die Wärmepumpe genutzt werden.

 


Eine große Halle aus Holz, die sich noch im Bau befindet, bezeichnet Reck als sein „Lebensprojekt“. Dort, wo früher das alte Wohn- und Stallgebäude stand, wird ein Heu- und Maschinenlager entstehen. „Mit so einer Halle kann man immer etwas anfangen“, sagt er. Einen komplett neuen Kuhstall möchte er dagegen derzeit nicht bauen. Stattdessen wird Schritt für Schritt modernisiert. Der alte Maschinenschopf soll künftig für Kälber und zum Abkalben genutzt werden.


Neben seinem eigenen Betrieb engagiert sich Reck in der regionalen Milchwirtschaft. Er ist Vorstand der Bauernkäserei Leupolz und damit auch an Entscheidungen über Milchpreis, Investitionen und die Zukunft der Genossenschaft beteiligt. Gerade beim Hartkäsemarkt ist der Markt aus seiner Sicht schwierig. Billigangebote aus dem Ausland und ein hoher Preisdruck machten den Molkereien zu schaffen. Trotzdem steht Reck hinter dem genossenschaftlichen Gedanken: „Mir gefällt, dass ich mitreden kann.“ In den Vorstand sei er auch deshalb gekommen, „weil ich gefragt wurde und meine Klappe nicht halten kann“.


Zum Betrieb gehören außerdem rund drei Hektar Wald. Wirtschaftlich sei das heute kein Selbstläufer mehr, sagt Reck. Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar: Nach einem trockenen Sommer sind viele neu gepflanzte Tannen wieder vertrocknet.

Trotz aller Herausforderungen denkt Reck nicht ans Aufgeben. Im Gegenteil: Er probiert Neues aus, investiert dort, wo es sinnvoll ist, und hält Ausschau nach weiteren Möglichkeiten – etwa nach einem Einstieg in die Heumilchproduktion. Sein Rezept für die Zukunft ist dabei ziemlich bodenständig: Technik nutzen, Kosten im Blick behalten und selbst anpacken.