HOF BAUMANN – FAMILIE STÜTZENBERGER

Der Mann, der einfach macht

Wenn Markus Stützenberger von seinem neuen Kälberstall erzählt, klingt das zunächst nicht nach einer Erfolgsgeschichte. Keine Förderung, keine zehn Prozent mehr Gewinn, stattdessen rund eine halbe Million Euro Investition. Trotzdem sagt der 57-Jährige: „Das war die richtige Entscheidung.“


Stützenberger kennt Milchpreise, Futterkosten, Arbeitszeit und Investitionen. Er weiß, was sich rechnet, bleibt aber nicht bei Zahlen stehen. „Rein betriebswirtschaftlich war das eigentlich Nonsens“, sagt er über den neuen Kälberstall. Trotzdem würde er es wieder tun: Die Arbeit ist leichter, die Kälber gesünder und wachsen besser. Antibiotika setzt er schon lange keine mehr ein.


Auf dem Hof stehen rund 120 Milchkühe und ebenso viele Jungtiere. Die Milchleistung liegt bei 9000 bis 9500 kg pro Kuh. Seit 2010 übernehmen zwei Lely-Melkroboter das Melken und bringen Flexibilität. Ganz ohne Handarbeit geht es nicht: Das Futter – eine Mischung aus Getreide, Mais, Heu, Grassilage, Apfeltrester und Biertreber – wird per Mischwagen vorgelegt und von Hand nachgeschoben. Soja und Raps meidet er bewusst.


Modernisierung bedeutet für Markus und Daniela Stützenberger Technik dort einzusetzen, wo sie sinnvoll ist. Der Stall wurde 2010 grundlegend modernisiert. Wenn einer der Söhne übernimmt, könnte ein weiterer Ausbau folgen.


Markus Stützenberger ist Techniker für Marketing, Agrarinformatik und Unternehmensführung. Er sitzt im Fachausschuss Landwirtschaft für die Meisterausbildung in Friedrichshafen und ist Vorsitzender der Bauernkäserei Leupolz. Rund 45 Hektar gehören der Familie, insgesamt bewirtschaften sie über 100 Hektar, teils im Lohn. Für ihn ist Landwirtschaft keine starre Größe: „Man kann nicht alles in Euro aufwiegen.“


Drei Söhne gehen bisher eigene Wege. Sebastian studiert Agrarwirtschaft, Adrian ist Gas-Wasser-Installateur, Julian lernt Land- und Baumaschinen-Mechatroniker. Ob einer zurück auf den Hof kommt, bleibt offen.


Daniela und Markus Stützenberger haben 16 Jugendliche ausgebildet und wie eigene Söhne aufgenommen. Für die Familie ist Landwirtschaft ein Zusammenspiel aus Bewahren und Verändern – und ein gemeinsames Lebensprojekt. Das gilt auch für die Rochuskapelle aus dem 17. Jahrhundert, die auf dem Hofgelände steht.